Baugeschichte

Die spätromanische Dorfkirche gilt als eine der ältesten Backsteinbauten Mecklenburgs. 1230 wurde sie erstmals im Ratzeburger Zehntenregister erwähnt. Erwähnt heißt aber nicht, dass der Bau auch eben erst in diesem Jahr abgeschlossen wurde. Während der Restaurierung wurde festgestellt, dass der Chorraum 30 bis 50 Jahre älter als der dann folgende Anbau ist. So ist sehr wahrscheinlich, dass bei der Erwähnung nur der Chorraum als Kapelle gestanden hat.

GrundrissDer Grundriss steht auf einem griechischem Kreuz (gleichseitig). Dies ist einmalig in ganz Norddeutschland und sehr selten im Raum nördlich der Alpen.
So beschreibt es Georg Dehio: „Fünf Quadrate bilden ein griechisches Kreuz; an das östliche Quadrat ist eine niedrige Apsis angeschlossen. Eine Fortsetzung nach Westen war geplant, die Kirche also ursprünglich einschiffig in lateinischer Kreuzform gedacht.“[1] Auch in anderen Kunstführern wird die qualitätsvolle Arbeit am Kirchbau gelobt. Es finden sich Hinweise auf eine Reihe von stilistischen Übereinstimmungen mit Einzelformen des Ratzeburger Doms, auf die ausgewogenen Proportionen im Innenraum, die sorgfältig gemauerten Backsteinfriese aus gekreuzten Rundbögen und Rauten und auf den über dem westlichen Joch befindlichen hölzernen Kirchturm mit schlanker Spitze.

Bauausführende „Firma“ war sehr wahrscheinlich die Ratzeburger Dombauhütte, daher wird unsere Kirche auch die „kleine Schwester“ des Ratzeburger Doms genannt.

Einen Namen hat unsere Kirche nicht. Auch weiß niemand, warum eine so verhältnismäßig große Kirche im kleinen Vietlübbe gebaut wurde. Eine These greift auf den Zuzug der Westfalen im frühen 13. Jahrhundert zurück.

Die Bauetappen kann man sehr schön an den unterschiedlichen Friesen erkennen. Außen am Chorraum wurde der Rundbogenfries als Schmuckelement verwendet, an den anderen Schiffen der Rautenfries. Am Giebel des Westschiffes ziert nur ein Zahnstangenband die Wand, die auch nur halb so dick wie die anderen Wände ist. Dies und auch Ansätze eines weiterführenden Fundaments zeugen von einer anderen Planung, eventuell sollte auch hier bei uns ein Langschiff entstehen.

1865 kam es zu durchgreifenden Restaurierungsarbeiten. Die Kirche wurde im Stil der Neogotik völlig neu ausgestaltet.

Der Turm, der der romanischen Kirche im 17. Jahrhundert aufgesetzt wurde, wurde mit großem Aufwand in den Jahren 1990 bis 1993 von der Firma Moldt saniert und mit Eichenholzschindeln gedeckt. Der vergoldete Hahn wurde vom Förderverein gestiftet.

Suedportal Zu erwähnen sind noch die besonders schönen Seitenportale mit ihren Rundstäben.

Die kleine Gemeinde, die seit 1972 keinen eigenen Pastor mehr hatte, ist seit Mitte der achtziger Jahre bemüht, ihre Kirche zu renovieren. Los ging es mit einer Drainage rings um die Kirche. 1988 folgte der Einbau von sieben Zugankern, die enorme Rißbildung konnte so gestoppt werden. Dann folgte eine Entrümpelung des Gewölbes. Am 1.10.1989 feierten wir den vorläufig letzten Gottesdienst in der Kirche. Schon am 2.10.1989 begann das Putzabklopfen, mannshoch, ringsherum. Dabei mußten wir ständig das Gestühl hin- und hertragen. Der Putz war so marode, daß wir nur vier Abende benötigten, um fertig zu werden. Bis hierher wurden die Arbeiten von Gemeindegliedern und Dorfbewohnern ausgeführt, selbstverständlich immer unter Anleitung von Fachleuten. Eigentlich hätte es jetzt richtig losgehen können, wenn nicht die Wende dazwischengekommen wäre. Aber die Pause hatte auch ihr Gutes. Das neue Konzept beinhaltete nun eine Rückrestaurierung auf die Zeit um 1300. Da wir 1968 ein neues Dach (Nonne und Mönch) bekommen hatten, konnte es nun zügig voran gehen.

Die Deckenmalerei im Chorraum ist die Älteste, die Konturen wurden in den frischen Originalputz geritzt. So war diese Restaurierung unkompliziert. In der Apsis war die Rißbildung sehr fortgeschritten und der größte Aufwand bestand in der Sicherung des sehr lose hängenden Putzes. Der Restaurator hat dann die Malerei nur soweit wieder hergestellt, wie er sie mit Sicherheit erkennen konnte, um nichts zu verfälschen. Trotzdem kann jeder mit ein bißchen Ruhe und Phantasie das Bild in seinem Kopf vervollständigen. In der Mitte die Mandorla mit Jesus als Weltenrichter, ringsherum die Symbole der Evangelisten und zu beiden Seiten die zwölf Apostel, Maria und Maria Magdalena oder Johannes. Die Wände der Kirche wurden gerötelt und mit einem gleichmäßigen Fugenkreuz versehen. Laut Fachleuten war dies um 1300 eine übliche Wandgestaltung.

Die restaurierte Triumphkreuzgruppe hat ihren Platz Ostern 1995 wieder eingenommen. Sie stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert und hat die letzten Jahrhunderte an einem unscheinbarem Platz an der Wand gehangen. Ihre Restaurierung verdanken wir der „Heinz und Renate Wiedemann Stiftung“. Dies ist eine treuhänderische Stiftung, für die wir sehr dankbar sind. In diesem Bauabschnitt, der Vierung, hat der Förderverein die Verlegung der Handstrichziegel auf dem Fußboden bezahlt.

Leuchter Die Leuchter sind Kerzen nachempfunden und für diesen Raum entworfen worden. Die Orgel, die Empore und das leicht veränderte Gestühl stammen aus der umfassenden Renovierung 1865. Die Gemeinde ist sehr dankbar für den Erhalt dieser Inventarteile. So ist doch etwas Vertrautes wieder da, denn es soll unser Gotteshaus bleiben und nicht ein romanisches Museum, aber offen für jeden, der diesen kleinen Ort findet. Finanziert hat auch dies der Förderverein.

1997 wurde das Südschiff restauriert. Für diesen Bauabschnitt wurde der unwiderruflich letzte Kredit aufgenommen, der die ersten Jahre von der Heinz und Renate Wiedemann – Stiftung ausgeglichen wird. Fördermittel gab es seit diesem Jahr nicht mehr. All die Jahre hat die Gemeinde das Eigenkapital als Gegengewicht für Fördersummen, immer mit Arbeitseinsätzen eingebracht. Es ist klar, dass nun die Schritte kleiner wurden. 1998 kann doch schon der Fußboden im Südschiff gelegt werden. Hier steht der von der Insel Gotland stammende Taufstein aus Kalkstein. Er ist Ende des 13. Jahrhundert in unsere Kirche gekommen. Da zu dieser Zeit die Taufsteine gleich hinter der Tür standen, er aber am Haupteingang keinen Platz hat, steht er vor dem Südportal, um an romanische Gebräuche zu erinnern. Die Taufschale ist 1667 vom Frauenmarker Gutsbesitzer gestiftet worden. Die Bestuhlung im Südschiff ist neu und ein Geschenk. So ist eine Art Taufkapelle entstanden. 1999 und 2000 hatte der Förderverein das Geld für die letzten Fenster zusammen.

2001 konnte die Restaurierung des Nordschiffes in Auftrag gegeben werden. Auf Grund einer Geburtagssammlung konnten die Restauratoren Matthias Bresien und Matthias Krause 2002 die allerletzten Wandmalereien restaurieren. Die inzwischen von der Jagdgenossenschaft aufgearbeiteten Gedenktafeln aus dem 19. und 20. Jh. erhielten ihre Plätze im Jahr 2003 wieder. Die Firma Lehmbau Schulz machte ein sehr günstiges Angebot für den Fußboden im Nordschiff und so konnte gleich im Anschluß der behindertengerechte Eingang am Nordprtal mit Naturpflaster gelegt werden. Im Chorraum und auch im Südschiff konnte man nach ein paar Jahren Erfahrung auf drei Lampen verzichten und setzte sie ins Nordschiff um. Jetzt , 2005, konnte die noch fehlende Lampe bestellt und installiert werden. Zur diesjährigen Jahreshauptversammlung des Förderverein wird die ergänzte Gedenktafel zum 2. Weltkrieg enthüllt. Es fehlten etliche Vermisste auf der Tafel, die wahrscheinlich recht kurz nach dem Krieg erstellt wurde. Während der Bauzeit haben wir die Altartücher in der Paramentenwerkstatt in Ludwigslust weben lassen können. Hierfür gab es zweckgebundene Spenden. Scheinbar sind die Arbeiten abgeschlossen. Bei genauerem Hinsehen sind wir der Feuchtigkeit aber noch nicht Herr geworden.

Einige Namen sind im Text schon aufgetaucht, neben der Kirchlichen Baudienststelle unter der Leitung von Herrn Brügemann ist das Architekturbüro Johannsen aus Hamburg zu nennen. Ohne Gert Johannsen, mit seiner großen Erfahrung auf dem Gebiet der Kirchenrestaurierung, hätten wir oft den Kopf in den Sand gesteckt. Neue Ideen z. B. in Bezug auf Farbgestaltung kamen von Christine Johannsen. Schade, dass Herr Johannsen den Abschluss der Arbeiten nicht mehr erleben durfte. Seit 2001 hat die Gemeinde auch wieder eine Pastorin und so sind die Vorraussetzungen für lebendige Gemeinde gegeben.

[1] G. Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Mecklenburg, München/Berlin 21980, 420.